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V. Das Hildebrandslied

oder

der Vater mit dem Sohne

"Ich will zu Lande reiten,"   sprach Meister Hildebrand,
"Ist gleich von langen Zeiten   der Weg mir unbekannt.
In fremden Landen waren   wir manchen lieben Tag,
Dass mein in dreißig Jahren   Frau Ute nicht mehr pflag."

"Willst du zu Lande reiten,"   sprach Herzog Amelung,
"Was begegnet dir auf der Heide?   Ein stolzer Degen jung,
Dort auf des Berners Marke,   der junge Alebrand:
Und rittest du selbzwölfter,   du würdest angerannt."

"Ist er im Reiten denn so wild   in seinem Übermut,
Ich zerhau ihm seinen grünen Schild,   es tut ihm nimmer gut.
Ich zerhau ihm seine Brünne   mit einem schnellen Schlag,
Dass wohl ein Jahr darüber   seine Mutter klagen mag."

"Das du du nicht," versetzte   von Bern Herr Dieterich,
"Dass du den Jungen tötest,   Hilbrand, das bitt ich dich.
Du sollst ihn freundliche bitten   wohl um den Willen mein,
Dass er dich lasse reiten,   so lieb ich ihm mag sein."

Als er von Garten ausritt   wohl zu des Berners Mark,
Er kam in große Arbeit   von einem Helden stark.
Von einem jungen Degen   ward er da angerannt:
"Was suchst du hier, du Alter,   in meines Vaters Land?

Du führst einen Harnisch lauter,   recht wie ein Königskind,
Du machst mich jungen Helden   mit sehnden Augen blind.
Du solltest daheim verbleiben   und haben gut Gemach
Bei heißen Kohlengluten."   Der Alte lacht' und sprach:

"Sollt ich daheim verbleiben   und haben gut Gemach?
Viel Streitens muss ich treiben:   Davon werd ich oft schwach.
Muss reiten und streiten   so manche Heeresfahrt;
Das glaube mir, du Junger,   drum grauet mir der Bart."

"Den Bart will ich dir raufen,   du alter grauer Mann,
Dass dir das Blut soll laufen   herab wohl auf den Plan.
Den Harnisch und den grünen Schild   musst du mir übergeben,
Dazu auch mein Gefangner sein,   dass du behältst das Leben!"

"Mein Harnisch und mein grüner Schild   hat stets mir Schutz gewährt,
Ich traue Gott vom Himmel wohl:   Mir ist leicht Glück beschert."
Sie ließen von den Worten   und griffen nach dem Schwert:
Was diese zwei begehrten,   des wurden sie gewährt.

Der Junge gab dem Alten   gar einen harten Schlag,
Des Hildebrand der Alte   von Herzen sehr erschrak.
Der Junge sprang zwölf Klafter   zurück mit seinem Leib.
Der Alte sprach: "Solch Springen,   das lehrte dich ein Weib."

"Sollt ich von Weibern lernen,   das wär mir eine Schand:
Ich habe Ritter und Knechte   in meines Vaters Land.
Viel Ritter sind und Grafen   an meines Vaters Hof
Und was ich nicht gelernet hab,   das lern ich aber noch."

Wohl kluger Sinne pflegen   sah man den alten Mann,
Bis er dem jungen Degen   sein Waffen unterrann.
Er tät ihn zu sich zücken   wo er am schmalsten war
Und warf ihn auf den Rücken   wohl in das grüne Gras.

"Wer sich an alten Kesseln reibt,   den schwärzt gar leicht der Rahm:
Also geschieht dir Jungem   hier von mir altem Mann.
Nun sage mir und beichte,   dein Priester will ich sein,
Bist du ein junger Wölfing,   so lass ich dich gedeihn."

"Wölflinge das sind Wölfe   die laufen in dem Holz;
Ich bin aus Griechenlanden   ein junger Degen stolz.
Meine Mutter heißt Frau Ute,   die edle Herzogin,
Und Hildebrand mein Vater,   dem ich gar unkund bin."

"Heißt deine Mutter Ute,   die edle Herzogin;
So wisse, dass ich Hildebrand,   dein lieber Vater bin."
Auf schloss er seinen goldnen Helm   und küsst' ihn auf den Mund:
"Nun sei der reiche Gott gelobt,   der uns vereinigt hat."

Das währte von der None   bis zu der Vesperzeit,
Da kehrte heim gen Berne   Herr Alebrand vom Streit.
Was führt' er an dem Helme?   Von Gold ein Kränzelein.
Was führt' er an der Seiten?   Den liebsten Vater sein.

Er führt' ihn an der Mutter Tisch   und setzt' ihn obenan.
Er bracht ihm Essen und Trinken:   Die Mutter war ihm gram.
"Ach Sohn, mein allerliebster Sohn,   der Ehren ist zu viel,
Der den Gefangnen obenan   zur Tafel setzen will."

"Nun schweiget, liebe Mutter,   und hört was ich euch sage,
Er hat mich auf der Heiden   schier gar zu Tod geschlagen.
Nun hört mich, liebe Mutter,   kein Gefangner soll er sein:
Es ist Hilbrand der Alte,   der liebste Vater mein.

Ach Mutter, liebste Mutter,   nun biet ihm Zucht und Ehr."
Da hub sie an zu schenken   und trugs ihm selber her.
Was hatt er in dem Munde?   Von Gold ein Ringelein:
In den Becher ließ ers sinken   der liebsten Frauen sein.

Ü   Þ

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