Yellowstone-
Nationalpark

www.Wissen-im-Netz.info

Angelegenheiten des Parks

Homepage
   Freizeit
      Reisen
         Yellowstone
            Angelegenheiten
              
Wasserinvasoren
               Bioprospecting
               Bisons

               Bären
              
Northern Range
              
Umwelt
              
Wildnis
              
Winter
              
Wölfe

Angelegenheit: Wiederansiedlung der Wölfe

Die Angelegenheit

Der Wolf war ein wichtiges Raubtier, der bis zur Wiederansiedlung im Jahr 1995 im Größeren Yellowstone-Ökosystem seit Jahrzehnten vermisst wurde.

Geschichte

Spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert Raubtiere, einschließlich der Wölfe, werden routinemäßig im Yellowstone getötet.
1926 Das letzte Wolfsrudel im Yellowstone wird getötet, einzelne Wölfe werden weiterhin gesichtet.
1974 Der graue Wolf wird als gefährdete Tierart gelistet; die Wiederansiedlung wird durch den „Endangered Species Act“ gefordert.
1975 Der lange Prozess, der zur Wiederansiedlung der Wölfe im Yellowstone beginnt.
1991 Der Kongress genehmigte Geld für die Umwelteinflusserklärung der Wiederansiedlung der Wölfe.
1994 Die Umwelteinflusserklärung für die Wiederansiedlung der Wölfe im Yellowstone und Zentral-Idaho wird fertig gestellt. Über 160000 öffentliche Kommentare wurden eingereicht – die größte Anzahl öffentlicher Kommentare, die je für einen Bundesvorschlag eingereicht wurden.
1995 und 1996 31 Grauwölfe wurden aus dem westlichen Kanada in den Yellowstone umgesiedelt.
1997 Ein Bezirksrichter ordnete die Entfernung der wieder angesiedelten Wölfe aus dem Yellowstone an, setzte seine Anordnung jedoch bis zur Berufung aus.
Januar 2000 Die Entscheidung wurde widerrufen.

Aktueller Status

  • Im Dezember 2005 lebten 325 Wölfe in 45 Rudeln im größeren Yellowstone-Gebiet.
  • 118 Wölfe leben im Yellowstone Nationalpark – eine Abnahme von 30% von Dezember 2004 (siehe Wölfe).
  • Es gibt 140 dokumentierte tote Wölfe, die seit der Wiedereinführung aufgetreten sind. Weit über die Hälfte der Todesfälle sind durch Menschen verursacht und der Rest hat eine natürliche Ursache. Die häufigste natürliche Todesursache ist das Töten von Wölfen durch andere Wölfe.
  • Es wurde ein Raub an Nutztieren von 40…50 Schafen und 10…12 Kühen pro Jahr erwartet, aber es waren weitaus weniger: von 1995 bis 2003 insgesamt 256 Schafe und 41 Rinder.
  • Eine private, gemeinnützige Gruppe, Defenders of Wildlife, ersetzt den Besitzern der Nutztiere deren Wert, wenn sie nachweisbar von Wölfen getötet wurden.
  • Forschungen laufen, um den Einfluss der Wiederansiedlung der Wölfe auf Pumas, Kojoten und Wapitihirsche zu untersuchen.
  • Über die Streichung der Wölfe von der Liste der gefährdeten Arten wird vom US Fish and Wildlife Service nachgedacht, nachdem die Verwaltungspläne der Staaten Wyoming, Montana und Idaho überprüft wurden. Der Plan von Wyoming wurde noch nicht überprüft, Montanas und Idahos Pläne sind bereits.
  • Im Februar 2005 wurde die Verwaltung der Wölfe von der Bundesregierung auf die Staatsregierungen von Idaho und Montana übertragen.

Der graue Wolf (Canis lupus) war im Yellowstone vorhanden, als der Park 1872 gegründet wurde. Raubtierkontrolle, einschließlich Vergiftung wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert praktiziert. Zwischen 1914 und 1926 wurden mindestens 136 Wölfe im Park getötet; in den 1940igern wurden Wolfsrudel nur noch selten gesehen. Eine intensive Untersuchung im Jahr 1978 konnte keinen Beweis einer Wolfspopulation im Yellowstone erbringen, obwohl gelegentlich Wölfe in dieses Gebiet wanderten. Ein wolfähnliches Tier wurde im Hayden Valley im August 1992 gefilmt und ein Wolf wurde knapp außerhalb des Parks an der Südgrenze im September 1992 geschossen. Jedoch gibt es keinen nachprüfbaren Beweis eines Zuchtpaares. In den 1980igern begannen Wolfsrudel im nordwestlichen Montana Junge aufzuziehen; Im Jahr 1994 lebten 50…60 Wölfe in Montana.

Wiederansiedlung vorgeschlagen

Die Politik des National Park Service gibt die Wiederansiedlung von einheimischen Tierarten vor, wenn

  1. ausreichender Lebensraum vorhanden ist, um eine sich selbst erhaltende Population aufrecht zu erhalten,
  2. Verwaltung ernsthafte Bedrohungen von außen stehenden Interessen verhindern kann,
  3. die wieder angesiedelten Unterarten den ausgerotteten Unterarten fast vollständig gleichen und
  4. die Ausrottung eine Folge menschlicher Maßnahmen ist.

Der Wiederansiedlungsplan der Wölfe in den nördlichen Rocky Mountains des US Fish and Wildlife Service (USFWS) schlug eine Wiederansiedlung einer „experimentellen Population“ von Wölfen im Yellowstone vor (eine experimentelle Population wird unter dem Abschnitt 10(j) des Endangered Species Act, nicht als notwendig betrachtet und erlaubt größere Verwaltungsflexibilität). Die meisten Wissenschaftler glaubten, dass die Wölfe den Bestand von Maultierhirschen, Gabelböcken, Dickhornschafen, Weißwedelhirschen oder Bisons nicht stark reduzieren würden; sie hätten untergeordnete Einflüsse auf Grizzlybären und Pumas; und ihre Anwesenheit würde zu einer Abnahme von Kojoten und einer Vermehrung der Rotfüchse führen.

1991 genehmigte der Kongress dem USFWS ein Budget zur Vorbereitung einer Umwelteinflusserklärung (EIS) in Zusammenarbeit mit dem National Park Service und dem US Forest Service, zur Wiederansiedlung der Wölfe. Im Juni 1994, nach mehreren Jahren und einen Beinah-Rekord öffentlicher Kommentare, unterzeichnete der Innenminister die Entscheidung für die Endfassung der Umwelteinflusserklärung für die grauen Wölfe im Yellowstone Nationalpark und Zentral-Idaho.

Mitarbeiter des Yellowstones, des USFSWS und der teilnehmenden Staaten, bereiteten die Wiederansiedlung der Wölfe im Park und Zentral-Idaho vor. Der USFWS bereitete besondere Bestimmungen vor, die umrissen, wie die Wölfe als experimentelle Population verwaltet werden sollten.

Die Parkmitarbeiter schlossen die Gebietsplanung ab und Untersuchungen auf Grund archäologischer Gesichtspunkte und empfindlicher Pflanzen für die Freilassungsgebiete. Jedes Gebiet umfasste ungefähr 0,4 ha mit einem weitmaschigen Drahtzaun mit 3 x 3 m großen Seitenflächen. Die Zäune hatten einen 0,6 m weiten Überhang und einen 1,2 m hohe Randleiste um das Überklettern oder Untergraben der Umzäunung zu vermeiden. Jede Einzäunung hatte einen kleinen angebundenen Haltebereich, um einen Wolf von der Gruppe zu trennen, falls notwendig (z. B. zur medizinischen Behandlung). Sperrholzboxen boten Schutz, wenn sich die Wölfe voneinander getrennt halten wollten.

Umsiedlung und Freilassung

Im Ende 1994 / Anfang 1995 und wieder in 1996, fingen der USFWS und kanadische Naturschutzbiologen Wölfe in Kanada und siedelten sie in den Yellowstone und Zentral-Idaho um. Mitte Januar 1995 waren 14 Wölfe zeitweilig im Yellowstone gefangen; die ersten 8 Wölfe am 12. Januar und die zweiten 6 am 19. Januar 1995. Wölfe von einer sozialen Gruppe wurden in jeweils ein Gatter freigelassen. Am 23. Januar 1996 wurden 11 weitere Wölfe in den Yellowstone gebracht, für das zweite Jahr der Wiederansiedlung der Wölfe. Vier Tage später kamen noch 6 weiter Wölfe hinzu. Die Wölfe hatten 36 bis 65 kg Gewicht und hatten ein Alter von ungefähr 9 Monaten bis 5 Jahren. Sie umfassten Wölfe, von denen bekannt war, dass sie Bison jagten. Gruppen umfassen geschlechtsreife Erwachsene mit jüngeren Wölfen im Alter von ein bis zwei Jahren.

Jeder in Kanada eingefangene Wolf erhielt ein Funkhalsband. Während ihrer vorübergehenden Gefangenschaft hatten die Wölfe minimalen menschlichen Kontakt. Ungefähr zweimal in der Woche, wurden sie mit Hirschen, Rehen, Elchen oder Bisons gefüttert, die in oder außerhalb des Parks starben. Sie wurden von Gesetzeshütern bewacht, die den visuellen Kontakt zwischen Wölfen und Menschen minimierten. Die Gatter und die umgebenden Gebiete wurden für Besucher geschlossen und der Zutritt verboten. Biologen überprüften das Wohlergehen der Wölfe zweimal jede Woche, durch Telemetrie oder visuelle Beobachtung, während das Futter in die Gatter gebracht wurde. Obwohl fünf Jahre für die Wiedereinführung angesetzt wurden, mussten nach 1996 keine weiteren Umsiedlungen stattfinden, da sich der Erfolg früh einstellte.

Einige Personen drückten ihre Bedenken aus, dass sich die Wölfe an Menschen gewöhnen könnten, da sie in Gefangenschaft waren. Jedoch vermeiden Wölfe normalerweise den menschlichen Kontakt und sie entwickeln selten ein angepasstes Verhalten, wie Plündern im Müll. Die Gefangenschaft war eine negative Erfahrung für sie und verstärkte ihre Abneigung Menschen gegenüber.

Gerichtsverfahren

Mehrere Gerichtsverfahren wurden angestrengt, um die Wiederansiedlung in einer Auswahl der Gebiete zu stoppen. Diese Gerichtsverfahren wurden zusammengelegt und im Dezember 1997 fand der Richter, dass das Wiedereinführungsprogramms der Wölfe im Yellowstone und in Zentral-Idaho, die Absicht des Abschnitts 10(j) des „Endangered Species Act“ verletzt, da es einen Mangel an geografischer Trennung zwischen den voll geschützten Wölfen, die bereits in Montana existieren und den Wiederansiedlungsgebieten gibt, in denen die speziellen Regeln für die Wolfsverwaltung greifen. Der Richter schrieb, dass er seine Entscheidung „mit äußerst Abneigung“ festlegte. Er ordnete die Entfernung (und besonders nicht die Tötung) der wieder eingeführten Wölfe und ihrer Nachkommen in den experimentellen Populationsgebieten aus dem Yellowstone und Zentral-Idaho an, setzte jedoch seinen Befehl bis zum Abschluss des Berufungsverfahren aus. Die Rechtsabteilung fechtete das Urteil an und im Januar 2000 wurde die Entscheidung rückgängig gemacht.

Ergebnisse der Wiederansiedlung

Vorläufige Daten von Studien zeigen an, dass die Wiederansiedlung des Wolfes wahrscheinlich zu einer größeren Artenvielfalt im Größeren Yellowstone-Ökosystem führt. Wölfe haben hauptsächlich Wapitihirsche gejagt und diese Kadaver boten Nahrung für eine große Vielzahl anderer Tiere, besonders Aasfresser. Sie jagen verstärkt Bisons, besonders im späten Winter. Grizzlybären bemächtigten sich der Beute der Wölfe nach Belieben, entgegengesetzt zu Prognosen und Beobachtungen aus anderen Gebieten, wo diese zwei Arten vorkommen. Die Beute der Wölfe liefert somit eine wichtige Futterquelle für Bären in Zeiten mit geringem Nahrungsangebot. Die Aggression gegenüber Kojoten hat die Anzahl der Kojoten in Wolfsterritorien reduziert, wodurch wahrscheinlich andere kleine Raubtiere, Nagetiere und Raubvögel ihren Vorteil haben.

Bis jetzt zeigen die Daten an, dass die Wölfe zu der abnehmenden Anzahl der Kälber beitragen, die das Erwachsenenalter erreichen und das verringerte Überleben von erwachsenen Wapitihirschen in den Hirschherden des Yellowstones. Wölfe beeinflussen wahrscheinlich auch, wo und wie die Hirsche ihren Lebensraum benutzen. Einige dieser Einflüsse sind vorhersagbar, aber diese basierten auf den Forschungen von einem relativ einfachen System mit einem oder zwei Raubtier und Beutearten. Dies ist im Yellowstone nicht der Fall, wo vier weitere große Jäger (Schwarz- und Grizzlybär, Kojoten, Pumas) Wapitihirsche jagen – und Menschen jagen den Hirsch außerhalb des Parks. Somit haben die Wechselwirkungen der Wölfe mit den Hirschen und anderen Huftieren einen neuen Grad der Komplexität erzeugt, der es schwierig macht, die langfristigen Populationstrends vorherzusagen.

Der Einfluss der Wiederansiedlung des Wolfes auf die Dynamik der Wapitihirsche im nördlichen Yellowstone kann nicht für die andere Hirschbestände im Größeren Yellowstone-Ökosystem übertragen werden. Die Einflüsse hängen von komplexen Faktoren ab, einschließlich der Hirschdichte, Anzahl der anderen Raubtiere, Vorhandensein von alternativer Huftierbeute, Härte der Winter und – außerhalb des Parks – Landeigentümer, Jagd, Plünderung von Nutztieren und von Menschen verursachten Tötung von Wölfen. Eine Vereinigung aus professionellen Naturschützern und Wissenschaftler, die Bundes- und Staatsstellen, Naturschutzorganisationen und -Stiftungen, Hochschulen und Landeigentümer arbeiten zusammen an einem vergleichenden Forschungsprogramm zusammen, die drei zusätzliche Wolf-Huftier-Syteme im westlichen Teil des Größeren Yellowstone-Ökosystems umfassen. Diese laufenden Studien begannen vor 3…5 Jahren; die Ergebnisse bis heute zeigen den Einfluss des Raubes der Wölfe im Wapitihirschbestand von umfangreich bis recht bescheiden.

Streichung von der Liste

Die biologische Anforderung, die Wölfe von der Liste der gefährdeten Arten herunterzunehmen, wurde erreicht: Drei Jahre mit 30 Zuchtpaaren, verteilt in den drei Wiederansiedlungsgebieten. Jedoch müssen die Staaten von Idaho, Montana und Wyoming Verwaltungsplane haben, die für den „U. S. Fisch and Wildlife Service“ (USFWS) annehmbar sind. Im März 2006 erfüllten Montana und Idaho diese Anforderung, Wyoming nicht. Als Ergebnis wurde die heutige tägliche Wolfsverwaltung in die Staaten von Montana und Idaho verlegt (dies bedeutet nicht, dass Wölfe von der Liste genommen wurden). Wölfe in Wyoming werden noch immer von der USFWS verwaltet. Diese Änderung beeinflusst die Wolfsverwaltung im Yellowstone nicht.

© 1999-2009 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.